Erfolge, Grenzen und Verluste

Ich mag zwar meinen Garten, aber ich möchte mich nicht zu seinem Sklaven machen. Ich mag ernten, aber nicht täglich über Stunden rackern.
Bei uns im Südwesten sind die Sommer heiß und trocken. Dazu weht fast immer ein Wind, der zusätzlich austrocknet. Trockenheit und Wassermangel sind hier nicht erst seit den letzten Jahren Thema.

Wir haben eine Zisterne und 4 Regenfässer in denen wir Regenwasser sammeln können. Früher, als ich versucht habe zu Gärtnern, wie man das „gewöhnlich“ so macht, reichte dieses Wasser für den halben Sommer, anschließend goss ich mit Leitungswasser. Das ist nicht nur geldtechnisch Wahnsinn, sondern auch, wenn man sich überlegt, dass man Wasser in Trinkwasserqualität! in den Garten schüttet.

Frühere, eher erfolglose Experimente

Seit bestimmt 20 Jahren habe ich experimentiert. Ich habe Erfahrungen mit einem teuren Bewässerungssystemen mit Computer gemacht, das, als mal wieder eine der labilen Steckverbindungen auseinander g’fatzt war, mir den kompletten Inhalt der Zisterne in wenigen Stunden in den Garten gepumpt hatte 😡.
Ich habe mir Olas selbstgebaut*, also diese unglasierten Tontöpfe, die man in die Erde eingräbt und dann ganz langsam das Wasser an seine Umgebung abgeben. Echte Olas, die aus einem Stück Ton bestehen, also nicht aus zwei Teilen zusammen gesetzt sind, sind sehr teuer und kommen damit für meinen Gartenbau nicht in Frage. Im Internet gibt es unzählige Bauanleitungen für diese zusammengeklebten Tontöpfe. Sieht alles super aus, aber hat die mal jemand über ein paar Wochen ausprobiert? Die Klebeverbindung halten an dauerfeuchtem Ton nicht. (Wer gegenteilige Erfahrungen hat, schreibt mir bitte, was ihr als Kleber verwendet hast. Ich würde mich freuen.)

Mischkulturen habe ich probiert. Die brauchen erst einmal unendlich Wasser , bis die Pflanzen groß genug sind und ehe das System Mischkultur, zumindest im Bezug auf Wasser sparen, funktioniert.

Über den Tellerrand schauen und lernen

Im Urlaub sind wir nur sehr selten mit einem Auto unterwegs. Wir fahren nach Möglichkeit mit dem ÖPNV oder laufen. So sieht und erfährt man mehr von der fremden Region und es entschleunigt. Klar braucht man oft etwas länger, um von A nach B zu kommen, aber im Urlaub hat man ja Zeit.
Ich liebe es zu schauen, wie die Leute in anderen Gegenden Landwirtschaft und Gartenbau betreiben und da uns ja die Hitze auch zu Hause immer öfter trifft, kann man sich in heißeren Gegenden gut etwas abschauen. 🙂
Ich versuche Techniken von den Südeuropäern zu verstehen und passe sie an unserer Bedingungen an.

Gelerntes auf hiesige Bedingungen anpassen und umsetzen

Beschatten
(Be-)Schatten ist das, was man am häufigsten im Süden sieht. Solche Sachen wie eine senkrecht gestellte Europalette, die ein junges Bäumchen vor der Mittagssonne schützt, bringt einen erst einmal zum Nachdenken, dann zum Schmunzeln und dann zum „Ja, klar. Funktioniert!“ Solche Sachen speichere ich ab.

2022 habe ich hier über meine „Chaosbeete“ geschrieben.

Ich bepflanzte die Beete so, dass größere, blattreichere Pflanzen kleiner Pflanzen beschatten und/oder den Boden beschatten. Gute Nachbarn und schlechte Nachbarn gibt es auch in Gemüsebeet. Wenn sich die Pflanzen vertragen, können sie sich gegenseitig fördern.

Ich befürchte, dass ich irgendwann in Schattennetze für den Garten investieren sollte, um mir die Arbeit zu erleichtern. Noch ist es aber nicht so weit.

Altes auf neues übertragen
Es gibt schon seit Jahren Blumentöpfe für Zimmerpflanzen und Balkonkästen mit Wasserspeichern. Es gab sie aber immer nur in klein. Weil ich so etwas für den Garten haben wollte, fing ich ~2010 mir selbst große Pflanzkübel mit Wasserreservoir zu bauen. Diese Fotos stammen aus (m)einem Forumsbetrag von 2012.

Inzwischen habe ich den Bestand an selbst bewässernden Behältern um einiges erweitert und dabei die Bauweise etwas weiterentwickelt, so dass sie nun über viele Jahre halten.

Feuchtigkeit im Boden halten
Etwa zur gleichen Zeit fing ich an die Beet zu mulchen, aber schmerzlich musste ich lernen, dass das Mulchen funktioniert erst, wenn die Schnecken sich wegen der Hitze und Trockenheit zurückziehen. Wenn man zu früh mulcht, fühlen sie die Schnecken darunter pudelwohl, werden frech und fressen alles, was sie finden können. 🤨

Härtetest: Drei Wochen Urlaub ohne „Gartenservice“

Die Vorbereitung

Wie in den letzten Jahren auch, verzichtete ich jetzt weitgehend auf den Anbau von Gemüse im Frühjahr. Wir haben so viele Schnecken, dass sie mir in einer Nacht die Arbeit von Wochen zsamm’fressen. Das macht einfach keinen Spaß. Herbst- und Wintergärtnern ist das, wirklich Ertrag bringen kann.

Ich hatte also im Frühjahr nur etwas Schnittsalat für den Verbrauch vor dem Urlaub in selbst bewässernde Balkonkästen gesät. Etliche Tomatenpflanzen und 5 Zucchinipflanzen hatte ich vorgezogen und jeweils einen Teil in Kübel mit Wasserspeicher gepflanzt und einen Teil in den Gartenboden gesetzt.
So „Kleinkram“, wie Petersilie, Liebstöckel und ein paar Blümchen hatte ich in jeweils in einen Topf mit Wasserspeicher gepflanzt.

Auf den Beeten habe ich die Friesischen Palmen (Grünkohl) vom letzten Winter stehen lassen. Die sind inzwischen größer als ich und ein wunderbaren Schattenspender.

Alle bepflanzten Beete und die Tomatenkübel habe ich dick gemulcht.
Im Frühjahr hätte ich Rasenschnitt gehabt, aber im Frühjahr kann ich nicht Mulchen. Dann, wenn Mulchen Sinn macht, sind alle Grasflächen schon braun.
Also habe ich mit dem Rasenmäher ich alles geschreddert, was irgendwie „übrig“ war. Das Unkraut von der Rasenfläche, überstehende Weinranken, Rückschnitt von Zitronenmelisse, Topinambur, Brennnesseln, Beinwell usw.

Die bepflanzten Töpfe und Kübel habe ich an verschiedene Stellen gestellt, um sie erstens von anderen Pflanzen beschatten zu lassen und zweitens, um den günstigsten Standort heraus zu bekommen.

Der fragenden Nachbarin sagte ich: „Nur die Harten bleiben im Garten“, und hoffte innerlich doch sehr, dass ich den Mund nicht zu voll nehme. 😬
Doch, unsere Nachbarin hätte gegossen, wenn ich sie darum gebeten hätte, aber ich wollte es testen: Wie wird der Garten aussehen, wenn wir wiederkommen? Werden meine Vorbereitungen ausreichen?

Was ich zu dem Zeitpunkt noch nicht wusste: Die Wettervorhersage versprach sinkende Temperaturen in den nächsten Tagen und ab und an mal etwas Regen.
Tja, aber so wie es immer ist, wenn man sich drauf verlässt: Petrus hält sich nicht an Vorhersagen. Die Temperaturen bewegten sich zwischen 41,3°C und 25,9°C (am letzten Tag) und es gab viel weniger Regen als vorher gesagt.

Ich beobachtete die Messwerte unserer Wetterstation und befürchtete das Schlimmste.

Wir waren also im Urlaub und ich konnte nichts machen. Tja, selbst schuld! 😬

Und? Lebt noch was?

Als wir nach Hause kamen, ging ich natürlich zuerst in den Garten. Ich erwartet die Katastrophe, aber … hey, auf den zweiten! Blick war es gar nicht so schlimm! 😀

Die Tomaten auf der Terrasse hingen schlapp. Je weiter die Töpfe am Haus stehen, desto trockner waren die Pflanzen. Ganz am Haus (Südseite) staut sich die Hitze unter dem Glasdach.

Die Zucchini im Kübel hat eine Frucht abgesetzt, schreit nach Wasser, aber lebt.

Der großen Zucchini und den Tomaten auf der Ostseite des Gartens stehen auf dem dick gemulchten Beet richtig gut da. Auch diese Zucchini hatte eine Frucht.

Man muss etwas genauer hinschauen. Die Tomaten, die im Schatten der Friesischen Palmen stehen, sehen gut aus und haben Früchte abgesetzt.

Dem Unkraut geht es ausgezeichnet. Dazwischen der Topf mit Liebstöckel. Ganz links am Bildrand sieht man 4 kleine Tomatenpflanzen, die sich dort selbst ausgesät hatten.

Das Beet mit voller Südsonne ist dich gemulcht. Die Tomaten hatte ich noch nicht angebunden, aber denen geht es prächtig. Sie haben viele Früchte abgesetzt.

Erst habe ich mich erschrocken, aber das was hier verdorrt ist, ist die Vogelmiere, die sich um die kleinen Lauchpflänzchen ausgebreitet hatte. Der Lauch hat etwas trockene Spitzen, aber sonst geht es ihm gut. Ich hatte die Balkonkästen mit Wasserspeicher in den absoluten Schatten gestellt, um die Wasserverdunstung zu reduzieren.

Diese Zucchini hat es nicht geschafft. Sie war rascheltrocken. Sie stand auf der Südseite im Schatten eines Johannisbeerstrauches. War wohl nicht genug Schatten.

Eine Woche nach dem Urlaub

Natürlich habe ich alles noch am Ankunftstag gegossen und schon am nächsten Tag sahen hauptsächlich die Kübelpflanzen sehr viel besser aus.
Echte Verluste sind 2 Tomatenpflanzen, die vor dem Urlaub schon recht schwächlich waren, die eine Zucchinipflanze und ein Borretsch, der mit im Tomatenkübel stand.

Die ganz trocken aussehenden Tomatenpflanzen, die direkt am Haus im Kübel stehen, habe ich erst einmal beobachtet. Tomaten sind zäh und sie waren ja nicht komplett trocken.

Was habe ich gelernt?

Diese drei Wochen Härtetest waren nicht nur lehrreich für Zeiten mit längerer Abwesenheit. Sie hat mir auch gezeigt, wo sich welche Pflanzen wohl fühlen. Wo die Grenzen der Gärtnerei im Kübel sind, haben mir die eine Zucchini und die fast vertrocknetet Tomaten gezeigt.

Wenn man die Pflanzkübel nicht regelmäßig befüllen kann, ist es besser, sie in den Schatten zu stellen, um die Verdunstung zu reduzieren auch sollten die Pflanzen (noch) nicht zu groß sein. Und Mulchen ist wichtig – auch im Kübel.

Direkt am Haus ist es im Sommer zu heiß für Tomaten und bestimmt auch für alles andere. Dort heizt es sich bei Sonnenschein zu stark auf.
Für den Winter ist der Platz aber super für Salat im Kübel. Das habe ich schon probiert.

Tomaten geht es aber in Gartenerde besser. Um auch eine Ernte zu haben, wenn der Sommer sehr nass ist, werde ich aber weiterhin einige Pflanzen in Kübel pflanzen und unter das Terrassendach stellen – nur eben nicht mehr an die heißeste Stellen direkt am Haus.

Das Mulchen der Beete ist das, was am meisten Vorteile bringt. Eine Schicht von knapp 10 cm locker aufgebrachtem Pflanzenmaterial scheint gut zu sein.

Update 3 Wochen nach dem Härtetest

Wirklich entsorgt habe ich eine Zucchini, drei Tomatenpflanzen, die aber vorher auch nicht die kräftigsten waren und zwei aus diesem Kübel (also insgesamt 5) und einen Borretsch aus dem Kübel.


Ich habe dem Kübel einen neuen Platz gegeben, gegossen und abgewartet. Irgendwann habe ich das wirklich Rascheltrockene abgeschnitten und -siehe da- nach 2 Wochen zeigen sich neue Austriebe.
Unserer Tomatenernte geht in den meisten Jahren bis November. Vielleicht wird es ja noch was??

Man muss genau hinschauen, um die Tomaten zu entdecken. Im Hintergrund stehen auch Himbeeren und im Kübel inzwischen auch Basilikum, den ich im Laden gerettet habe.


Diese Zucchinipflanze sah nach einer Woche wieder recht gut aus, war aber wohl zu sehr geschwächt. Sie bekam Mehltau, weswegen ich sie entsorgen musste.

Letztes Fazit

Bei der langanhaltenden Hitze und Trockenheit, wie wir sie in diesem Jahr erleben, reichen meine Vorkehrungen aus, um den Garten zwei Wochen allein lassen zu können, bzw. mir die Gießerei sparen zu können. Bei drei Wochen gibt es dann die ersten Verluste.
Im nächsten Jahr werde ich versuchen eher Mulchmaterial zu sammeln, weil es im Hochsommer keine Rasenschnitt mehr gibt. In diesem Jahr musste ich ganz schön kratzen.
Pflanzen im trockenen Sommer unter dem Terrassendach geht es nicht so gut, wie denen, die in der kälteren Jahreszeit dort stehen.

Es ist gut, das mal probiert zu haben, denn es hat mir doch einige neue Erkenntnisse gebracht.

Gut, dass ich in der Zeit des Experimentes nicht zu hause war. 🫣😉😅

… und was sagte der Hausherr zu dem Ergebnis?

„Siehste, man muss die Natur einfach mal nur machen lassen!“ 🤔
Naja… 🤗

Nun habe ich begonnen, das Wintergärtnern vorzubereiten.

… und nur, weil sie mir vor die Linse gekommen ist… 😊