Minimalismus, Selbstversorgung, Konsumreduzierung, Suffizienz, DIY

bwegt (*), oder auch nicht

Ich fahre regelmäßig mit dem öffentlichen Nahverkehr und habe mich natürlich auch über das 9-Euro-Ticket gefreut, weil ich so viel Geld sparen kann. Nur denke ich, dass die gute Ansicht, die eigentlich dahinter steht, hier auf dem Lande verpufft.

Drei selbst erlebte Beispiele aus den letzten zwei Wochen

Beispiel 1: Dann eben mit dem Fahrrad

In der letzten Woche wollte ich zum Zahnarzt nach Karlsruhe.
Um 14:15 Uhr dort zu sein, muss ich 11:58 Uhr mit dem Bus aus unserem Dorf losfahren. Der Bus fährt an Schultagen doch immerhin ! 11 mal am Tag in die Stadt.
Ich stand also an der Bushaltestelle. 10 Minuten nach der geplanten Abfahrtszeit bin ich dann wieder nach Hause gelaufen. Der Bus ist mal wieder ausgefallen und damit ist die gesamte Verbindung geplatzt. Der nächste Bus sollte planmäßig eine Stunde später kommen.
Ich habe also beim Zahnarzt angerufen und Bescheid gesagt, dass ich später komme, habe mich dann auf mein Fahrrad geschwungen und bin die 5,5 km zum Bahnhof geradelt. Die Bahn fährt immerhin alle halbe Stunde.

Beispiel 2: Wo ist die Bahn?

Am Mittwoch wollte ich eine 2-Tagesreise nach Niedersachsen machen, um Verwandte zu besuchen. Um den ICE in Heidelberg nicht zu verpassen, habe ich in meinem Dorf vorsichtshalber einen Bus eher genommen. Sicher ist sicher.
„Wenn der Bus pünktlich wäre, würde ich auch eine Regionalbahn eher nach HD bekommen“, dachte ich.
Umsteigezeit am Bahnhof ist planmäßig 3 Minuten. Die Laufstrecke dort ist mit 3 Minuten angegeben. Das ist also sportlich.
Der Bus kam 6 Minuten später, holte diese Zeit aber bis zum Bahnhof auf. „Toll“, dachte ich. „Den Zug schaffe ich doch noch.“

Nun, die Freude hielt nur kurz. Die Gleise waren leer. Alle.

Leute kamen mir entgegen. Sie hatten aus dem Internet erfahren, dass der Zug ausfällt, denn eine Anzeige gibt es hier nicht und eine Ansage ist selten.

Die Pendler gingen zurück zu ihren Autos und fuhren die Strecke dann wohl mit dem Auto.

Beispiel 3: Wegen Überfüllung geschlossen

Auf der Rückfahrt von meinem Verwandtenbesuch saß ich in einer S-Bahn in Richtung Hannover. Der Zug war ab der 8. von 16 Stationen überladen, sodass per Durchsage im Zug die zuletzt zugestiegenen Fahrgäste aufgefordert wurden, den Zug wieder zu verlassen, damit wir weiterfahren können. Ab Station 9 hielt der Zug nur noch zum Ausstiegen. Die, die dort am Bahnsteig standen, hatte Pech. Der nächste Zug sollte eine Stunde später kommen.

Mein ganz persönliches Fazit:

Ich frage mich: „Was denkt man wohl, wie oft werden sich potentielle Auto – Zug- Umsteiger so etwas wohl gefallen lassen? Bestimmt keine drei Mal.“

Und wieder hatte ich den Artikel der Tagesschau im Kopf:

Quelle , 06.07.2022, 12:10 Uhr

Auch wenn sich gerade heute Verkehrsminister Wissing über den Erfolg des 9-Euro-Tickets freut (siehe Tagesschau vom 09. Juli 2022), habe ich doch eher andere Erfahrungen gemacht.

Wenn ich einen Termin habe, überlege ich mir, wie ich dorthin komme. Fahre ich eine Verbindung eher um pünktlich zu sein, oder nehme ich das Fahrrad oder gleich das Auto?

Das 9-Euro-Ticket wird hier erfahrungsgemäß eher für den Freizeitverkehr genutzt, wenn es egal ist, ob man eine Stunde früher oder später ankommt.

Öffentlicher Nahverkehr hier? Es gibt noch viel Luft nach oben.


(*) Zitat Wikipedia: „bwegt ist die Mobilitätsmarke des Verkehrsministeriums Baden-Württemberg für den öffentlichen Personennahverkehr in Baden-Württemberg“. Quelle , 06.07.2022, 11:20 Uhr

4 Kommentare

  1. Gabi

    Das 9-Euro-Ticket legt nochmal das ganze ÖPNV-Desaster offen. Gerade auf dem Land. Das ist wirklich eine Katastrophe. Ja, das ist wirklich eher ein Großstadt-Ticket. Aber auch hier in der Stadt ist es so, dass ich immer mindestens(!) eine Bahn früher nehme. Die U-Bahn fährt allerdings im 10-Minuten-Takt, die S-Bahn 2 bis 4 x in der Stunde, halbstündlich ein Bus und zum Hauptbahnhof laufe ich maximal 25 Minuten. Enge Umstiegszeiten muss ich hier auch vermeiden. Die Bahnen sind voller als üblich, aber nicht überfüllt. Der Vorteil, eben keine Urlaubsregion zu sein.. Trotzdem ein Luxus im Vergleich zu dem, wie es bei dir ist.
    Der Fahrplan der Bahn ist aus meiner Sicht eher sowas wie eine Idee, wie es funktionieren könnte – möglicherweise, wenn alles perfekt läuft. Es läuft aber nie perfekt.

    • miteigenenhaenden

      Gabi schrieb: „Der Fahrplan der Bahn ist aus meiner Sicht eher sowas wie eine Idee, wie es funktionieren könnte – möglicherweise, wenn alles perfekt läuft.“
      Ja, ich glaube das trifft´s. Leider.
      Schönen Sonntag dir!
      Liebe Grüße, Sibylle

  2. Miriam

    Guten Morgen, da stimme ich dir aus vollem Herzen zu! Ich wohne auf dem Land (Odenwald) , arbeite nah am Wohnort, 5 km, und ich kann genau ein Mal die Woche mit dem Bus dorthin fahren, ohne dass ich viel zu früh dort bin oder eine Stunde warten muss. Mit dem Fahrrad ist es mir zu hügelig, da bräuchte ich ein E-Bike. Das überlege ich tatsächlich, muss aber noch sparen. Mich ärgern solche Berichte auch regelmäßig, die sich nur um gut vernetzte Städte drehen 😕

    • miteigenenhaenden

      Hallo Miriam,
      ja, so ein E-Bike ist in hügeliger Landschaft nicht schlecht. Leider ist das eher ein Ausweich für gutes Wetter. Die wenigsten sind so hart gesotten, dass sie damit auch bei Schmuddelwetter fahren. Ich schließe mich da nicht aus. 😉
      Schönen Sonntag!
      Liebe Grüße, Sibylle

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