Minimalismus, Selbstversorgung, Konsumreduzierung, Suffizienz, DIY

Tricks der Händler und Hersteller,

um ihren Gewinn zu maximieren.

Jedes Wochenende füllen neue bunte Werbeblättchen dem Briefkasten, wenn man sich nicht mit einem „Bitte keine Werbung“-Aufkleber dagegen wehrt. Die Werbung ist grell und bunt und mir erscheint es, als wollte man jede Wochen das pralle Angebot der Vorwochen übertreffen wollen.
Gerade jetzt wo die Preise durch die Decke zu gehen scheinen, sind wir doch alle bemüht, das Geld so weit es geht zusammen zu halten.
Auch ich schauen mir die Angebote jede Wochen durch, allerdings ture ich das online. Das spart Müll.

Um nicht allen Tricksereien auf den Leim zu gehen, sollte man bei der Schnäppchensuche ein paar Dinge im Hinterkopf behalten.

Shrinkflation

Sicherlich schon hinlänglich bekannt und doch top aktuell ist die Tatsache, dass Packungsinhalte schrumpfen, obwohl der Preis gleich bleibt. „Shrinkflation“ heißt das auf Neudeutsch, was eine Zusammensetzung aus to shrink = englisch für schrumpfen und Inflation.

Manchmal wird nur einfach die Füllmenge reduziert, wie es z.B. Haribo im Sommer gemacht hat. Packungsgröße alt 200 g, Packungsgröße neu 175 g. Der Preis ist nach wie vor 0,99 €
Auf der Mogelpackungsliste der Verbraucherzentrale Hamburg kann man sich noch weitere Beispiele ansehen.

Hellhörig sollte man auch bei der Aufschrift „verbesserte Rezeptur“ oder „neue Rezeptur“ oder „jetzt mit“ oder „jetzt ohne“ oder sonst einer Veränderung des Packungsdesigns werden.
Die verbesserte Rezeptur ist nicht immer zu Gunsten des Verbrauchers und ist auch oft eine gute Gelegenheit den Preis zu erhöhen.
Ein Beispiel dafür ist Rama. Die Bechergröße ist gleich geblieben, die Aufschrift wurde leicht verändert, der Preis ist der gleiche. Jetzt sind 400 g statt 500 g drin, was eine Preiserhöhung von 25% bedeutet.

Wer aber denkt, dass nur Markenprodukte davon betroffen sind, irrt. Auch die Discounter haben diesen Trick für sich entdeckt.

Wie kann man sie dagegen wehren? Hm, … das entsprechende Produkt boykottieren? Ich weiß nicht, ob das immer geht oder man dazu bereit ist. Es kommt wahrscheinlich darauf an, um welches Produkt es sich handelt.

2 für 1 oder 3 für 1 oder doch gleich gratis?

Achtung bei solchen Rabattaktionen. Diese Angebote sollte man ganz genau prüfen. Niemand hat etwas zu Verschenken. Lohnen wird sich so etwas nur, wenn man auch die Bonuspackung in absehbarer Zeit verbrauchen wird und wenn ein No-Name-Produkt dem angebotenen Markenprodukt nicht das Wasser reichen kann.
Mein „Lieblingsbeispiel“ ist das Bündel 2 für 1 Shampoo eines Markenherstellers. Wer damit sparen will, fällt recht schnell auch die Nase, denn der Markenhersteller programmiert den höhen Verbrauch durch den Konsumenten gleich vor.
Schaut euch mal die Öffnungen der beiden Flaschen an. Links vom Markenprodukt, rechts vom No-Name-Produkt. Klar, dass aus der größeren Flaschenöffnung viel mehr Shampoo läuft, als auch der kleineren. Ein Schelm, der Böses dabei denkt. 😉

Man könnte das Loch verkleinern, in dem man einen Teil verklebt. Das lässt sich in der Praxis schlecht realisieren. Oder man füllt es in einen anderen Behälter um.

Diese Pumpflasche steht bei uns im Bad. Ich hatte sie mal eingeführt, als die Kinder klein waren und ihnen die richtige Dosierung noch schwer gefallen ist. Damals war die Shampooflasche bald wöchentlich leer. Mit der Pumpflasche war das Problem behoben. 3x pumpen reicht um kurzes Haar zu waschen.

Wettbewerbe

Bildquelle , Stand 24.11.22, 19:35 Uhr

Bei Verbrauchern und Händlern scheinbar sehr beliebt sind Wettbewerbe.

Eine großer Discounter startete im Frühjahr die Krönung der „Spar“- Wettbewerbe. Aussicht auf Auslosung als Gewinner hatte derjenige, der in einem vorgegebenen Zeitraum die meisten vom Discounter vorgegebenen reduzierten Artikel gekauft hat. Dazu wurde jedes gekaufte Produkt mit der Discounter-App registriert.
Für mich heißt das: Der Discounter kennt genau das Einkaufsverhalten des Kunden, der Kunde kauft ein vordiktiertes Produkt, was er im Zweifel gar nicht braucht, nur weil es Punkte im Wettbewerb bringt und er gibt mit Sicherheit ein Mehrfaches an Geld aus, nur um diesen „Spar“-Wettbewerb zu gewinnen? Eine sehr fragwürdige Sparmethode. 🤔

Coupons

Manchmal macht es Sinn, sich solcher Sparmöglichkeiten zu bedienen. Bei einer Onlinebestellung schaue ich, ob ich vielleicht einen Coupon für die Versandkosten finde. Wenn man mit den Kindern in einen Freizeitpark gehen will, lohnt sich auch der Blick ins Internet. Bei den großen Parks kann man manchmal eine Eintrittskarte sparen.
Fragwürdig scheint mir aber dieser Sparerfolg zu sein.

Bildquelle , 25.11.2022, 11:37 Uhr

Angebote mit Zeitlimit

Ein Zeitlimit setzt den Verbraucher unter Druck: „Kauf heute, sonst bekommst du es morgen nicht mehr (zu diesem Preis).“ Gerade jetzt aktuell „Black Friday“. Ich kann nicht beurteilen, ob sich genau an diesem Freitag wirklich so viel sparen lässt. Manche publizierte Recherchen bezweifeln das. Um sich ein eigenes Bild zu machen, müsste man den Preis eines begehrten Produktes über einen längeren Zeitraum beobachten. Nicht selten werden die Preise vor so einem Rabatttag künstlich angehoben, um dann einen satten Rabatt vorzugaukeln.

Jeder kennt auch die Angebote, die nur am Freitag und Samstag, oder am Wochenanfang gelten. Natürlich sollen die Verbraucher dann noch mal kurz in den Laden kommen, um das Angebot zu kaufen. Wer hat dann auch wirklich nur das Angebotsprodukt auf dem Kassenband liegen? Schaut mal nach? 😉 Der Beifang lauert überall. 😀

Mindermengen in der Packung

Ach ja – und hast du gewusst, dass das „e“ neben der Inhaltsangabe einer Verpackung darauf hinweist, dass der Inhalt eben nicht genau diesen angegebenen Nennwert haben muss, sondern, dass der Packungsinhalt geschätzt ist? Wenn also auf einer Milchpackung „1 Liter e“ steht, muss darin nicht unbedingt 1 Liter sein.
Ein gewisses Maß an Unterfüllmange ist zwar für den Verbraucher ärgerlich, ist aber erlaubt. Siehe Artikel der Verbraucherzentrale.
Ich bin mal mit meiner Küchenwaage auf die Pirsch gegangen und haben nachgewogen. Mir ist kein Produkt untergekommen, was auffällig zu wenig in der Verpackung hatte.
Ich denke, gegen diesen Trick kann man sich nur über einen Beschwerde bei der Verbraucherzentrale wehren. Eine Chance dieses im Laden zu erkennen hat man wahrscheinlich kaum.

Fazit

Alles in allem scheint es aber so zu sein, dass man auf solche wie oben aufgeführten Maschen am ehesten bei bunt verpackten und hoch verarbeiteten Produkten stößt.
Bei lose verkauftem Gemüse und an der Theke abgewogenem Fleisch lässt sich kaum etwas am Gewicht mogeln und wenn man lautstark angepriesene Rabatte gründlich durchdenkt und diese nur nutzt, wenn man damit einen Sparvorteil für sich erkennen kann, ist dagegen nichts einzuwenden.

Selber denken schützt am ehesten davor auf manche Tricks herein zu fallen. 😉


6 Kommentare

  1. Julian

    Schön geschrieben. Mit dem Fazit kann ich voll mitgehen. Denken hilft.

    Erinnert mich auch an:
    Mit Täuschung geht um jedermann:
    Kein Kaufmannsgut steht fest im Wert,
    Ein jeder Trug zu treiben begehrt,
    Daß seinen Kram er nur setz ab,
    Ob der auch Gall und Spatbein hab.
    Selig ohn Zweifel ist jetzt der Mann,
    Der sich vor Falschheit hüten kann!
    (Sebastian Brandt: Das Narrenschiff, Seite 101, erstmals gedruckt 1494 in Basel).

    Noch sehr aktuell nach 528 Jahren, wenn man die drittletzte Zeile etwas moderner formuliert („ob der auch ungesunde und minderwertige Zutanten enthalte“) und das „Mann“ in der vorletzten Zeile durch „Verbraucher (m/w/x)“ ersetzt.

    Bei den Mindermengen muss man der Ehrlichkeit halber erwähnen, dass die Fertigpackungsverordnung nachweisbar verlangt, dass die Durchschnittsmenge dem angegebenen Wert entspricht. Es müsste dann auch Mehrmengen geben. Bei Gemüse findet man die auch manchmal. Bei einer Mindestmengenvorschrift würden auch die Großen profitieren. Wenn die eine Tafel Schokolade auf 0,5 g genau spritzen können, würden die auf 100,5 g einstellen (und die Änderung mit großer Werbung und 10 % Preisaufschlag vermarkten). Der Biochokolatier, der Formen von Hand auffüllt muss dann 105 g kalkulieren. Bisher hat er halt 10 Kilo angesetzt und auf 100 Formen verteilt und dann gabs halt welche mit 95,5 g und 104,5 g.

    • miteigenenhaenden

      Hallo Julian,
      danke für das Zitat! Sehr schön und noch immer aktuell.
      Die Fertigpackungsverordnung schreibt vor, dass der Durchschnitt stimmen muss. Genau. Ich finde jetzt leider nicht mehr, wo ich e gelesen habe. Angeblich häufen sich in letzter Zeit wohl wieder die Fälle, wo (große) Hersteller diese Verordnung ausreizen.
      Naja, wie du schon geschrieben hast: Betrügereinen gab es wohl schon immer.
      Liebe Grüße, Sibylle

  2. Gabi

    Ich stelle gerade fest, dass Allergien und Unverträglichkeiten auch Vorteile haben. Was mir da an solchen Tricksereien schon erspart geblieben ist: Kekse, Schokolade, parfümierte Shampoos etc. etc.
    Besonders fies finde ich, dass hier sowohl die Supermärkte, als auch der Bioladen sehr häufig Preisunterschiede zwischen ausgezeichnetem Preis am Regal und Preis im Kassensystem haben. Natürlich an der Kasse grundsätzlich immer teuerer. Das ist nicht erlaubt, gemacht wirds trotzdem. Man muss aufpassen wie sonstwas und auf dem Preis am Regal bestehen.

    • miteigenenhaenden

      Hallo Gabi,
      das mit den Preisen ist wirklich ärgerlich. Grundsätzlich gilt wohl der Preis an der Ware. aber wie du schon schreibst: Recht haben und Recht bekommen, sind oft verschiedene Dinge. Leider.
      Ja, wenn man Unverträglichkeiten haben auch Vorteile. Sie öffnen die Augen für Sachen, die man sonst nicht entdeckt hätte.
      Liebe Grüße, Sibylle

  3. Queen All

    Die „verbesserte“ Rezeptur ist mir schon beim bekanntesten aller Schokocreme-Hersteller untergekommen – verbunden mit einer deutlich helleren Produktfarbe. Seitdem kaufe ich konsequent andere Produkte und hatte schon das eine oder andere geschmackliche Aha-Erlebnis. Vor allem die Eigen-Bio-Marken der Supermärkte kann ich empfehlen.
    Was ich auch seit einiger Zeit beobachte ist, dass die Stiele der losen Paprika immer länger werden. Wie war das – „ein Schelm, wer böses dabei denkt“…

    • miteigenenhaenden

      Hallo Vanessa,
      das mit den Paprikastielen ist mir auch schon aufgefallen. Die kann man auch abbrechen. 😉 Das ist gleichzeitige ein Frischetest. Wenn die Stiele nicht brechen, ist die Paprika nicht mehr frisch.
      Schokocreme von dem namhaften Hersteller schmeckt uns gar nicht so gut. Ich kaufe gern die ostdeutsche Traditionsmarke mit 36% Haselnüssen und ohne Palmöl oder ein Bioprodukt eines Discounters. Sicherlich ist das auch Geschmackssache, aber ich bin nicht markengeprägt gehe deshalb wahrscheinlich etwas unvoreingenommener zum Einkaufen.
      Liebe Grüße, Sibylle

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