Minimalismus, Selbstversorgung, Konsumreduzierung, Suffizienz, DIY

Joghurtbereiter, Teil 1/2

Gerade hat Gabi auf ihrem Blog „ACHTSAMER MINIMALISMUS“ drüber geschrieben, dass sie zum Jahresbeginn einigen „Murks entsorgt“ hat. Da habe ich ein brandaktuelles Beispiel für Murks, den ich jetzt entsorgen darf.

Ich bereite seit sehr vielen Jahren selbst Joghurt zu. Nun hat mein vor weit mehr als 10 Jahren gebraucht gekaufter Joghurtbereiter den Geist aufgegeben. Er heizt nicht mehr. Ok, irgendwann ist mal die Zeit gekommen….

Auf der Suche nach einem neuen Gerät und wurde bald fündig. (Natürlich im Netz, denn ich müsste mehr als 20 Kilometer fahren, um ein Geschäft persönlich aufsuchen zu können.)
Das Gerät, welches ich mir ausgesucht hatte, ist ein ehemaliges Retourengerät. Geprüft, mit voller Garantie und per Rechnung. Shop überprüft – kein Fakeshop. Fand ich ganz gut, denn warum soll das Gerät, entsorgt werden, nur weil jemand einmal die Packung geöffnet hat und dann wieder zurück geschickt hat.
Es kann ja auch nicht so schwer sein, eine Gerät herzustellen, das aus einer Abstellplatte für ein paar Gläser, einer Heizung mit Temperaturüberwachung (im günstigsten Falle ein Bimetall – das haben wir schon in der Schule gelernt) und einem Deckel besteht, herzustellen.

Das Paket kam auch recht schnell bei mir an. Die Packung war -wie beschrieben- geöffnet gewesen, das Gerät sah aus wie neu, die dazugehörenden Gläser waren original verschweißt. Soweit, so gut.

Der erste Versuch damit Joghurt zu machen scheiterte, der zweite auch. Beim dritten Versuch habe ich ein Thermometer mit hinein gelegt. Und schon hatte ich die Ursache für die Misserfolge gefunden. Dieses Gerät heizt die Milch bis 60°C und darüber hinaus, wenn man es lässt. Bei den Temperaturen rafft es auch die letzte Joghurtkultur dahin!

Hier sind es erst 43°C.

Nach der schriftlichen Reklamation

bekam ich umgehend eine Rückzahlungsinformation vom Zahlungsdienstleister. Auf eine Antwort vom Onlineshop wartetet ich einige Tage vergebens, ehe ich dann telefonisch nachfragte, was mit dem Gerät passieren soll. „Das können Sie entsorgen“, sagte eine gelangweilte Stimme.
Ok, danke für die Nachricht!

Um die Entsorgung soll ich mich kümmern. Für den Shop heißt das, dass er um die Entsorgung herum kommt und für mich heißt es, dass ich den Murks irgendwann mal in mein Auto laden werde und es knappe 6 km (einfache Fahrt) zu unserem Recyclinghof fahren werde.

Die Geschichte wäre hier zu Ende, wenn ich nicht so neugierig wäre. Jetzt, wo das Gerät nun eh verschrottet wird, kann ich ja auch mal reinschauen. 😉

Das Gerät ist verschraubt, man könnte! es also reparieren.
Aha?!
Ist da noch etwas unter der Metallplatte?
Die Heizung (gelb) war direkt auf der Matallplatte verschraubt.
Nein. Nichts unter der Metallplatte. Sie dient lediglich dazu die Hitze aus der kleinen Heizung über die Fläche zu verteilen. Das erklärt auch, warum die Warmhalteplatte in der Mitte ~10°C wärmer wird als am Rand.
Nur eine 18 W Heizung. Kein Temperaturregler in irgend einer Form zu erkennen.
Wenn man das Gerät reparieren wollte, müsste man die Kontaktstecker austauschen oder die Kontakte löten, weil die vorhandenen Stecker mit einem Widerhaken versehen sind, der das Abziehen verhindert.
Nach Müllart sortiert.
Ach ja: und der Karton…
…mit Inhalt

Fazit: Murks.

Murks, der Rekursen verbraucht hat, die Umwelt bei der Herstellung und beim Transport belastet hat und beim zukünftigen Transport und der Entsorgung belastet wird und Menschen verärgert hat, weil sie enttäuscht von dem Produkt sind und unnötig Geld dafür ausgegeben haben.


Vorschau auf Teil 2:

Ich habe inzwischen einen anderen Weg gefunden, die Milch über 6 Stunden warm zu halten, um Joghurt zuzubereiten. Davon Berichte ich dann im nächsten Artikel.

4 Kommentare

  1. Silke

    Moin
    Oh je. Letzten Mittwoch ist auch bei mir der Joghurtbereiter ( Severin ) kaputt gegangen. Allerdings schon nach 2 1/2 Jahren. Eine Antwort auf meine Mail, habe ich von Severin bislang nicht erhalten. Nun habe ich mir einen neuen, von einer anderen Firma gekauft und hoffe, dass der länger hält.
    Auf dein Kochkistenexperiment bin ich gespannt.
    Viele Grüße

    • miteigenenhaenden

      Hallo Silke,

      der Artikel zum Joghurt herstellen ohne elektrisches Gerät kommt übermorgen früh. 😉

      Liebe Grüße, Sibylle

  2. Rudi

    „…einen anderen Weg gefunden, die Milch über 6 Stunden warm zu halten…“

    ich habe Hoffnung, sonst wäre ich etwas enttäuscht gewesen, in Anbetracht der elektr. Maschine 😉

    Vermutlich geht es in Richtung Kochkiste, aus der Zeit als die Menschheit sich noch für lau zu helfen wusste.

    Seit ich die Rohmilch abkoche, ist es überhaupt kein Problem das abgekühlte Joghurt darin warm zu halten.

    Abkochen (früher erwärmte ich nur auf ca. 40°C) nachdem ich eine interessante Doku gesehen habe. Ein Zeckenspezialist wies Borellien in der Rohmilch nach. Zecken gibt es hier massig, früher schmeckte das Joghurt besser …

    Wünsche ein kreatives + fantasievolles 2022

    • miteigenenhaenden

      Hallo Rudi,
      danke für deinen Kommentar.
      Ja, es geht in Richtung Kochkiste, womit ich immer mehr mache, bzw. noch experimentiere.
      Ich koche die Rohmilch nicht ab. Bisher jedenfalls noch nicht. Bei der Rohmilch ist mir (bisher) genau das wichtig, nämlich dass noch Keime drin sind und das Immunsystem stärken. Hm… mit den Borrelien das habe ich noch nicht gehört. Danke für den Hinweis!

      Liebe Grüße und einen schönen Restsonntag!
      Sibylle

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